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PRESSEBERICHT - 13.11.2009

Westline (Stimbergzeitung)  / Michael Dittrich

" ARCHIV ÜBER KRIGSOPFER WÄCHST WEITER "
OER-ERKENSCHWICK. Am Sonntag trauern die Menschen wieder um die Toten der beiden Weltkriege. Ludger Bäumer (52) kennt viele dieser Schicksale etwas genauer. Inzwischen hat er schon 505 415 gefallenen oder vermissten Soldaten und zivilen Opfern ein Gesicht gegeben. Das ist der Stand am 12.November um 11.52 Uhr.

Der Oer-Erkenschwicker führt im Internet das wohl umfangreichste Archiv über Kriegstote. Stündlich wächst die Datenbank. Ludger Bäumer: „Man darf nicht zu sehr über die Einzelschicksale nachdenken, sonst geht das an die Nieren. Man darf sie nur dokumentieren.“
In seinem E-Mail-Postfach sammeln sich unzählige Danksagungen wie „Herr Bäumer, ich habe über 60 Jahre nach meinem Großvater gesucht. Beim VdK ist er noch nicht registriert. Durch Sie habe ich endlich sein Grab gefunden.“

Aus der Suche nach gefallenen Familienangehörigen ist inzwischen die umfangreichste Kriegsopfer-Datenbank geworden. Ludger Bäumers Vater Willi und Großvater Josef (auf dem Foto) haben den Krieg gottlob überlebt.

Eigentlich wollte Bäumer vor sechs Jahren nur eine Familienchronik zusammenstellen. Sechs enge Angehörige sind im Zweiten Weltkrieg gefallen. Dann hat der 52-Jährige versucht, alle Soldatenfriedhöfe aufzulisten mit genauer Adresse und Beschreibung. Das Hobby hat sich längst verselbstständigt. Zehn Stunden täglich verbringt der gelernte Maschinenschlosser am Computer, seit er im Vorruhestand ist. Innerhalb von nur zwei Jahren hat sich die Zahl der Kriegstoten in seiner Datenbank verdoppelt. „Und ich bin noch lange nicht am Ende.“
Gibt man auf seiner Homepage den Namen Kurt Hohendorf ein, erfährt man, dass der Matrose am 27. Mai gefallen ist. Der einzige Oer-Erkenschwicker unter 2112 Besatzungsmitgliedern, die mit dem Schlachtschiff Bismarck untergegangen sind. Sein Grab ist die See, 300 Seemeilen nordwestlich der französischen Westküste.

In einem Online-Gedenkbuch für Oer-Erkenschwick hat Bäumer jetzt 755 Kriegsopfer vom Stimberg dokumentiert, 220 stehen mit Bild in der Datenbank. Auf einem Server schlummern inzwischen fast zehn Gigabyte Daten. Ehefrau Marion (53) unterstützt das Hobby zwar nicht, aber sie akzeptiert es. Wie zuletzt beim Nordseeurlaub. Bäumer: „Wenn ich schon mal da bin, fotografiere ich auch alle Soldatengräber auf Norderney und Langeoog.“

Aktuell arbeitet Ludger Bäumer an einer Dokumentation über den Luftkrieg in Oer-Erkenschwick. Der 52-jährige hat inzwischen selbst über 500 Soldatenfriedhöfe besucht und zum größten Teil auch bildlich erfasst. Von der Familie Jakobi aus Duisburg wurde Bäumer, wie auch in den letzten Jahren, mit einer Unmenge an Fotos und Informationen von Soldatenfriedhöfen in Frankreich unterstützt. Es dauert etwa ein Jahr, bis die Bilder und Daten erfasst sind.

In der Datenbank kann man nicht nur deutsche, sondern Kriegstote aller Nationalitäten finden. Der Service im Internet ist kostenlos.

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