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Historie

Russischer Friedhof / Stadtwaldlager - Bocholt

Russische Kriegsgräberstätte Bocholt, Barloer Straße 1.736 russische Kriegsgefangene kamen durch Fleckfieber, Hunger und Gewalt im ehemaligen „Stadtwaldlager Bocholt „ ums Leben und fanden auf einem eigenständigen Friedhof an der Vardingholter Straße die letzte Ruhestätte. Lediglich Nummern auf kleinen Steinplatten kennzeichnen ihre Gräber, eine Namenliste gibt es nicht mehr. Namenlos bleiben sie Zeugen der Geschichte.

Erst nach dem Kriege entdeckte man 1947, dass Beerdigungen verstorbener Sowjets auch auf dem jüdischen Friedhof vorgenommen worden waren. Nach einem langjährigen Schriftwechsel wurde 1963 in einem Vertrag zwischen dem Landesverband der jüdischen Kultusgemeinden von Westfalen und der Stadt Bocholt festgelegt, dass der gesamte jüdische Friedhof untersucht und die verstorbenen Sowjets auf den sogenannten russischen Friedhof umgebettet werden müssten. Im Sommer 1964 wurden 169 sowjetische Tote aus 148 Gräbern geborgen und auf den Russenfriedhof umgebettet. Insgesamt sind mindestens 1736 umgekommene Kriegsgefangene dort beerdigt worden.

Daten zur Geschichte des „Stadtwaldlagers Bocholt“, an das ein Gedenkstein erinnert:

1935 Errichtung des Lagers durch die NSDAP, Hilfswerk Nordwest (Bad Godesberg), für geflüchtete österreichische SA-Männer (sog. Österreich Legion).

1938 Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich am 12. 03. 1938 und dem Anschluss Österreichs an Deutschland Räumung des Lagers; Rückkehr der Legion nach Österreich. Verkauf der Lagerbauten durch die NSDAP an den Reichsfiskus (Heer). 27. September: Abschluss eines Garnisonvertrages zwischen der Stadt Bocholt und dem Reichsfiskus (Heer). Übereignung des Grundstücks für das Lager. Das Lager wurde für Unterbringung und Ausbildung kurzfristig dienender Rekruten genutzt. Unweit des Lagers entstand ein Schießstand, ein Übungsgelände in den Hohenhorster Bergen wurde vorgesehen. Diesem Zweck hat das Lager aber kaum gedient.

1939 27. März: die Stadtchronik verzeichnet, dass 2.000 Mitglieder des Reichsarbeitsdienstes (RAD) vorübergehend im Lager untergebracht sind. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges diente das Lager als Kriegsgefangenenlager und zwar als Durchgangslager. Im November kamen die ersten 400 polnischen Kriegsgefangenen in das Lager, denen weitere folgten.

1940 ab Mai: die ersten Gefangenen von der Westfront kamen an; zuerst Holländer, dann Belgier, weiter Franzosen, Engländer u.a.Im Oktober vorübergehende Einquartierung deutscher Truppen (6. Kompanie, II. Bataillon, Infanterie-Regiment 626).

1941 27. November: die ersten 800 russischen Kriegsgefangenen trafen ein, denen später viele Tausend folgten. Das Lager wurde durch Notbaracken erheblich vergrößert.

1944 September. Nach der Landung englischer Fallschirmjäger im Raum Arnheim gehörte Bocholt zumRückwärtigen Frontgebiet. Das Kriegsgefangenenlager wurde weiter ostwärts verlegt. Dafür zogen Schanzarbeiter für den Westfalen-Wall in das Lager ein, später auch deren Verpflegungsstab.

1945 22. bis 25. März: Unterbringung von Kranken aus dem zerstörten St. Agnes Hospital nach dem Fliegerangriff auf die Stadt. 30. März: Einnahme des Lagers durch britische Truppen. April: Nach Besetzung der Stadt Bocholt Sammellager für Fremdarbeiter, insbesondere Russen, bis zu deren Rückführung in die Heimat

1946 September. 2.500 Esten, Letten und Litauer bezogen das Lager.

1947 Januar. Juden aus dem Lager Bergen-Belsen (meist Polen, Ungarn und Rumänen) wurden hier im Lager für eine Auswanderung nach Israel zusammengeführt.

1950 Mai. Jugoslawische Flüchtlingsfamilien kamen in das Lager. April. Das Arbeits- und Sozialministerium des Landes NWR übernahm die Leitung des Lagers von der britischen Militärregierung,

1951 September. Das DP-Lager ( = Displaced Persons, heimatlose oder zwangsverschleppte Ausländer) unter deutscher Leitung wurde aufgehoben. Es blieben aber noch eine Anzahl Familien bis zur anderweitigen Unterbringung dort wohnen.

1952 Dezember. Einrichtung des Lagers als Hauptdurchgangslager für Flüchtlinge aus der Sowjetzone.

1956 21. November: die ersten Flüchtlinge aus Ungarn, die vor dem Hintergrund des Ungarn-Aufstandes ihre Heimat verlassen hatten, trafen ein.

1959 Vorübergehende Nutzung von Teilen des Areals durch die Bundeswehr.

1985 Kauf des Lagergeländes durch die Stadt Bocholt für die Erweiterung des Freizeitgeländes Stadtwald.

Die Geschichte des „ Stadtwaldlagers Bocholt „ mahnt und verpflichtet zum Frieden - uns alle !

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