Leider haben wir von Ida und Emil Nandelstädt keine ausführlichen Lebenserinnerungen insbesondere über ihre letzten Tage in Crailsheim. Soweit ich erfahren habe sind beide am Ende des Krieges von Ostpreußen nach Crailsheim evakuiert worden. Durch den russischen Vormarsch an der Ostfront wurde Ostpreußen bedroht und ein vermeintlich sicherer Ort wurde für sie in Süddeutschland gefunden.
Wie das so ohne weiteres noch möglich war, entzieht sich meiner Kenntnis. Dort in Craislheim haben sie wohl etliche Wochen erst einmal ohne unmittelbare Kriegsbedrohung gelebt.
Im Zuge der amerikanischen Offensive am Neckar wurde in einem Überraschungsangiff der 10. US-Panzerdivision am 05. und 06. April 1945 Craislheim ohne besonderen Widerstand eingenommen.
Wäre es bei dieser ersten Besetzung geblieben, so hätte Crailsheim das Kriegsende glücklich überstanden. Die wenigen noch verfügbaren deutschen Reservestreitkräfte wurden aufgrund der drohenden Einkesselung der Verteidigungslinie Tauber-Neckar am Scheitelpunkt der amerikanischen Offensive konzentriert. Zufällig war dies Crailsheim. Am 8. April griffen SS-Einheiten aus Ellwangen zwei Regimenter Gebirgsjäger und eine Nebelwerfer-Brigade die Stadt an, um sie zurückzuerobern. Dies gelang auch den deutschen Soldaten am 09. und 10. April und die amerikanischen Truppen wurden nun von den Deutschen in Crailsheim eingekesselt. Am 11. April zogen sich die Amerikaner aus Crailsheim zurück. Während dieser Kämpfe um Crailsheim kamen nun meine Großeltern ums Leben. Dabei sind sie wohl unmittelbar mit eigenen Soldaten in Kontakt gewesen und mit diesen durch einen Bombenangriff umgekommen.
Dieser Rückzug der Amerikaner gilt als der einzige größere Misserfolg der Invasionsarmee während ihrer Schlussoffensive gegen Deutschland östlich des Rheins. Dieser „Sieg“ der Wehrmacht und der SS wurde in der an für die NS-Machthaber positiven Nachrichten armen Zeit propagandistisch ausgeschlachtet. Nun lange konnte sich die deutsche Wehrmacht in Crailsheim nicht halten. Schon ab dem 13. April rückte die amerikanische Front allerdings wieder auf breiter Linie auf Crailsheim zu. Am 20. April lagen erneut US-Truppen vor Crailsheim, nach Bombardements und Artilleriebeschuss versuchten sie die Besatzung von Crailsheim zur Übergabe zu bewegen. Jedoch waren in Crailsheim nur noch etwa 600 Bewohner anwesend, die große Masse der etwa 10.000 Einwohner war in die umliegenden Dörfer geflohen.
Nachdem die Amerikaner in Crailsheim keinen Kontakt für Übergabehandlungen herstellen konnten, setzten sie den Artilleriebeschuss mit Phosphorgranaten fort. Die Verteidiger in der Stadt zogen sich mit Beginn des Beschusses langsam zurück und setzen sich Richtung Ellwangen ab. Der Beschuss der Stadt ging bis in die frühen Morgenstunden des 21. Aprils weiter, gegen Mittag marschierten die US-Soldaten in die Trümmerwüste ein. Noch am Morgen des 21. Aprils verbrannten einige bedeutsame Gebäude der Innenstadt, das Schloss und große Teile der Stadtbefestigung. Niemand in der Stadt unternahm Löschversuche. Von 1799 Gebäuden in der Stadt wurden 444 total zerstört, 192 schwer, 77 mittelschwer und 439 leicht beschädigt. Innerhalb der alten Stadtmauer betrug der Zerstörungsgrad 95 %. Nur die Johanneskirche in der südlichen Altstadt überlebte den Feuersturm mit einigen umliegenden Gebäuden relativ unbeschadet. Die Kirche ist seither das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Obiger Text teilweise aus Wikipedia. Wer Näheres nachlesen will rufe mal in Wikipedia „Die Schlacht um Crailsheim“ auf.
Crailsheim heute:
Wir selbst haben bei unserem Besuch im April 2011 den geringen alten Gebäudebestand in Crailsheim bemerkt. Der Ort ist heute sehr schmuck und angenehm. Crailsheim (ca 33Tausend Einwohner) liegt auf beiden Seiten der Jagst in einer weiten Stufenrandbucht, die der Fluss bei seinem Übertritt aus dem Schwäbisch-Fränkischen Wald zur nördlichen Ebene ausgeräumt hat. Die Stadt ist sicherlich auch mal einen kleinen Besuch Wert.
Wege zum Grab:
Man kann Crailsheim in Nord-Südrichtung gut über die BAB 7 (Ulm–Würzburg) und in der West-Ost-Richtung über BAB 6 (Heilbronn-Nürnberg) erreichen. Sprachlich gibt es hier auch keine Probleme – man befindet sich noch in Baden-Württemberg. Vor dem Friedhof kann man gut parken. Die Gräber findet man, wenn man vom Eingangstor rechts rum geht bis zum großen Kreuz. Dann geht man geradeaus weiter und hier liegt in der 3. Kriegsgräberreihe rechts vom Mittelweg 2. Platz das Grab von Ida Nandelstädt und links vom Mittelweg 3. Platz das Grab von Emil Nandelstädt. Sehenswert ist auch das neue Denkmal zu den Opfern aus Flucht und Vertreibung auf dem Friedhof (ganz rechts vom großen Kreuz).
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