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FREMDEN SOLDATEN GEEHRT

+ 19.04.1945 - Wilhelm Göltz  Zur Gedenkseite

Sechs Jahrzehnte pflegte Familie Steinmetz Grab des Gefallenen

WACHENDORF (nad). Am Haupttor an der Grabkapelle links unter einer großen Linde ist die Grabplakette des Infanteriesoldaten Wilhelm Göltz an der Wachendorfer Friedhofsmauer angebracht. Der aus Mainz stammende Soldat fiel am 19. April 1945 auf der Wachendorfer Markung – von einem Bombensplitter tödlich am Kopf getroffen.

Damals ist die SS-Einheit durch Wachendorf marschiert, berichtet Gärtnermeister Siegfried Steinmetz. Beim Bombenangriff wurde der Soldat tödlich verwundet und von seinen Kameraden auf einem Leiterwagen in die Friedhofskapelle gebracht. Um 5 Uhr am nächsten morgen wurde Göltz außerhalb der normalen Grablege beerdigt.

Während des Angriffes wurden zwei Wachendorferinnen und ein weiterer Soldat schwer verletzt. Selber miterlebt hat der heute 80-jährige Siegfried Steinmetz dies nicht. Ich war ja damals selbst im Krieg, mein Vater hat mir davon berichtet. Und er war es auch, ein Lehrer, der beschloss für die Pflege des Soldatengrabs aufzukommen. Das war eine kritische Situation, erzählt der Sohn; keiner wollte für die Pflege verantwortlich sein, bis mein Vater gesagt hat: Wenn´s niemand machen will, dann mach ich´s.

Auf eigenen Wunsch wurden Steinmetz und seine Frau ebenfalls dort beerdigt. Die Aufgabe, das Grab eines Fremden Soldaten zu pflegen, hat mir mein Vater testamentarisch hinterlassen berichtet Steinmetz. Mit Natursteinen umrandete er die Gräber und setzte einen Findling auf das Doppelgrab der Eltern und einen kleinen mit kupferner Namensplatte auf das des Mainzer Soldaten W.Göltz.

Göltz` Witwe habe anfangs zwar jährlich einen kleinen Betrag überwiesen und in den letzten Jahren sei zu Allerheiligen immer ein kleines Bouquet auf dem Grab gelegen erzählt der Gärtnermeister, aber bis heute hat sich keiner der Angehörigen bei uns vorgestellt.

Nachdem die Familie Steinmetz Jahrzehnte lang das Soldatengrab erhielt, beschloss der Gärtnermeister, es abräumen zu lassen. Das ganze Quartier wurde letztes Jahr (2005) nach 60 Jahren mit Genehmigung des Bürgermeisteramts abgeräumt. Die langjährige Gemeinderätin Jutta Keller veranlasste daraufhin, dass die Grabplatte an der Friedhofsmauer aufgehängt wird. Dass Steinmetz das Grab nach so langer Zeit entfernen ließ, hatte seinen Grund: Ich wollte die Pflege meinen Kindern nicht zur Auflage machen.

Quelle !
Ausgabe (17. August 2006) des Schwäbischen Tagblatts Tübingen

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