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Liebe Mutter !
Heute, an Deinem Geburtstage will ich nicht vergessen Dir einen Brief zu schreiben. Ich hoffe, dass Du den Tag bei bester Gesundheit verbringst. Es ist das 3. mal, dass ich Dir nicht persönlich gratulieren kann, so tue ich es in Gedanken. Hoffentlich hast Du meine Geburtstagskarte, die ich in Kursk schrieb, rechtzeitig erhalten.
Vor 3 Tagen haben wir einen kleinen Ort an der Mittelfront angegriffen und besetzt. Der Feind ging zwar zurück, setzte sich jedoch in ein 1000 m uns gegenüberliegendes Dorf im selben Tal fest. Am 2. Tag war Ruhe. Gestern aber hat er uns angreifen wollen. Den ganzen Tag kamen wir nicht zur Ruhe. Unsere Waffen waren die besseren, so dass der Angriff der Russen im Keime erstickte. Gestern Abend waren wir mit 8 Mann drüben und haben das ganze Dorf abgebrannt. Ich habe keinen Russen mehr gesehen. In der Dämmerung haben wir das Weite gesucht und sind stiften gegangen. Grauenhaft war der Eindruck beim Abbrennen des Tales. Frauen und Kinder heulten und suchten zu retten, was eben noch aus diesen Elendshütten herauszukriegen war, dann sahen sie ihr eigenes Häuschen verbrennen. Heute ist nichts mehr zu sehen drüben. Die Menschen sind in Haufen davon gezogen , Vieh und ein Bündel Sachen mitnehmend. Es ist nicht leicht für die Bewohner; aber der Krieg ist hart und unerbittlich.
Hier haben wir unsere östlichste Stellung für den Winter erreicht. Und nun wird ein Niemandsland von vielen Km geschaffen, wo sich kein Lebewesen in diesem harten Winter aufhalten kann. Auch von hier werden wir einige Km zurückgehen und auch dieses Dorf vernichten.
Gestern sind schon unsere Fahrzeuge zurückgefahren, wir werden vielleicht morgen zu Fuss folgen. Es ist jetzt bitter kalt hier geworden. Beim Angriff haben sich viele Kameraden die Füsse oder die Hände erfroren. Nun hat sich ein jeder ein paar Lumpen um die Stiefel gebunden. Jetzt geht es auszuhalten. Heute nun sitze ich in einer Hütte und habe mir ein Schreibheft besorgt, das in einer Kiste lag. Während ich diesen Brief schreibe, werdet ihr zu Hause den Geburtstagskaffee trinken. Möge er Euch gut schmecken. Wir haben uns als Abendessen 3 Hühner mit Kartoffeln gemacht, die auch nicht schlecht sind.
Ich musste den Brief plötzlich unterbrechen. Heute haben wir den 14. Dezember. In den vergangenen 6 Tagen hat sich vieles geändert. Der Feind hat uns wiederholt angegriffen. Ständig sind wir auf dem Posten gewesen. Die Nächte waren finster, kaum 50 m konnte man sehen und der Wind pfiff einem nur so um die Ohren.
Am 11. Dezember kam der schwarze Tag. Morgens um ½ 4 Uhr war Alarm. Unsere S.M.Gr. Schossen. Im Licht der Leuchtkugeln waren einige Russen ganz nahe am Dorf zu sehen. Um ½ 6 Uhr gings dann los. Von 3 Seiten waren wir umstellt. Die feindl. Gewehr - und M.G. - Schützen schossen ohne Unterbrechung. Die Geschosse pfiffen nur so um die Häuser. Dabei war von den Hunden nicht einer zu sehen. Ins Blinde zu schiessen hat keinen Zweck. Es war ½ 9 Uhr, da war das Dorf nicht mehr zu halten. Nur ein Km - langer Weg über eine freie Pläne zurück war unsere Rettung. Zwischen uns zischte es nur so von Geschossen und Granaten.
Ein Glück, dass unsere Fahrzeuge 15 Km rückwärts standen. Gegen 12 Uhr waren wir bei ihnen. Am selben Tag sind wir aber wieder 12 Km vorgegangen und halten nun auf freiem Feld die befohlene Linie. Viele Kameraden haben in diesen 4 Tagen kein Haus und eine warme Stube gesehen. Im Loch eines Strohhaufens liegen sie Tag und Nacht. Wir lösen uns alle 12 - 24 Stunden ab. Immer wieder kommt es zu Schiessereien. Rechts und links von uns sind gestern eigene Verbände zum Angriff angetreten und haben den Feind zurückgeworfen. Hoffentlich ist uns das eine Entlastung.
Dieser Kampf im Winter ist unendlich hart und schwer. Dennoch sind wir guter Stimmung. Gestern habe ich von Erwin 2 Karten und von Vater die Zeitungen vom 14. Nov. erhalten, wofür ich Vater herzlich danke. Sonst habe ich lange keine Post mehr bekommen. Heute ist nun 3. Advent. In 10 Tagen ist Heilig Abend.
Nun Schluss für heute. Ich hoffe, dass Ihr zu Hause noch alle gesund seid. Ich wünsche Euch alles Gute und nochmals ein frohes Fest und ein glückliches gesundes Neues Jahr.
Herzliche Grüsse an alle
Heinz
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