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Darstellungen des Kampfes 1914-1918
 
Lexikon der Wehrmacht
 

Wehrmacht-Lexikon

2. WELTKRIEG

Gefangenentagebuch

des Alois Nitzinger

Alois Nitzinger war ein Hinterstoißersohn von Stoißberg, Stabsgefreiter in einem Artillerie-Regiment. Nach 6-jähriger Kriegsdienstzeit kam er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Es war bei strenger Strafe verboten in der Gefangenschaft Aufzeichnungen zu machen. Trotzdem hat Nitzinger geheim seine Eintragungen in Stichworten geschrieben und wer etwas zwischen den Zeilen ließt und sich in die Seele des Schreibers hineinversetzt, kann ahnen welches Leid unsere Kriegsgefangenen in der Sowjetunion erlitten haben.

   
09.05.1945 Entwaffnung in der Tschechei
10.05.1945 Polnau in Gefangenschaft gekommen
11.05.1945 Marsch nach Iglau (Jihlava)
12.05.1945 Großsammellager Iglau (Jihlava)
13.05.1945 Iglau, große Hitze
14.05.1945 Iglau, große Hitze, einmal Suppe
15.05.1945 von Iglau weg. Hunger
16.05.1945 Marsch nach Brünn (tschechisch Brno)
17.05.1945 Weiter nach Preßburg (50 km östlich v. Wien)
21.05.1945 In Preßburg (Bratislava) angekommen.
22.05.1945 Preßburg, Grossammellager, ca. 40 000 Mann
23.05.1945 Entlausung
24.05.1945 Abend, verladen in Preßburg (Bratislava)
25.05.1945 Schlimmer Transport mit 40 Mann im Waggon
25.05-03.06.45 Hunger, Durst
04.06.1945 Abend ausgeladen, ins Lager Voxsani, entlaust und verladen
05.06.1945 auf russische Breitspur.
06.06.1945 Mehr Hunger und Durst wie im vorigen Transport
07.-10.06.45 Hunger, Durst
11.06.1945 Ausgeladen in Briansk (250 km vor Moskau 2000 km bis Anger)
12.06.1945 Erste Nacht im Lager Briansk
13.06.1945 Hunger, einfache Suppe
14.06.1945 Wieder Aussuche, alle Privatsachen weggenommen
15.06.1945 Wegnahme von Bekleidung, schrecklich !
16.06.1945 Erstmals 3 mal Suppe und das erste Mal arbeiten am Bahnhof
17.06.1945 Ruhe, Nachmittag baden, ab heute mehr Brot.
18.06.1945 Arbeiten gehen, Untersuchung durch Ärztin.
19.06.1945 3 Uhr früh arbeiten mit wenig Essen.
20.06.1945 Arbeiten. Viel Hunger.
21.06.1945 Namenstag. Arbeiten, ab heute wieder weniger Brot und ganz dünne Suppe.
23.06.1945 Arbeiten, dünne Suppe.
24.06.1945 Ruhe, aber ganz dünne Suppe, Hunger.
25.06.1945 Arbeiten. Guter Tag. Abends 3 Kartoffeln organisiert.
26.06.1945 Kartoffel ausladen. Guter Tag
27.06.1945 Arbeiten, Bahnhof
28.-29.06.45 Alltägliche Arbeit.
30.06.1945 Schwere Bäume tragen, Abends sehr müde.
01.07.1945 Ruhe. Lagerdienst. Nachmittag geschlafen.
02.07.1945 Arbeiten, sehr müde und immer dünne Suppe.
03.07.1945 Suppe, Hunger.
04.07.1945 Immer dasselbe. Das erste Mal 5 g Tabak.
05.07.1945 5 g Tabak.
06.07.1945 Keinen Tabak. Dafür schwer arbeiten und Hunger
07.07.1945 Derselbe Jammer
08.07.1945 Sonntag. Auch arbeiten. Nichts zu rauchen. Hunger. Natürlich schwere und schlechte Stimmung
09.07.1945 Arbeiten. Dasselbe wie immer.
10.07.1945 Bessere Stimmung, Arbeiten, wieder Tabak, Suppe
11.07.1945 Schwere Steine tragen, abends sehr müde Mardei (Malaria!) im Revier.
12.07.1945 Ziegelei arbeiten, etwas schöner, dickere Suppe.
13.-14.07.45 Ziegelei arbeiten. Mit Auto hin und zurück.
15.07.1945 Ruhe, Baden, Nach 14 Tagen wieder Wäsche waschen. Sehr schöner Sonntag. Gedanken stets daheim.
16.07.1945 Arbeiten Ziegelei. Holz machen.
17.07.1945 Arbeiten Ziegelei. Holz machen. Abends noch zur Entlausung.
18.07.1945 Ziegelei. 5 Uhr. Mittag zu Fuß nach Hause. Sehr müde und Hunger.
19.07.1945 Ziegelei arbeiten am Holz. Wieder mit Auto hin und zurück.
20.07.1945 Ziegelei. Holz. Gutes Mittag. Ab heute 4. Zug im Zelt.
21.07.1945 Ab heute 4. Zug im Zelt. Nur Dürrbrot.
22.07.1945 Vormittag arbeiten Bahnhof. Nachmittag Ruhe. Essen ab Freitag etwas besser. Brot weniger.
23.-26.07.45 Ziegelei. Holz arbeiten, Essen einigermaßen.
27.07.1945 Mardei (Malaria), wieder Arbeiten. Mittag schon wieder krank. Gruppe 3.
28.07.1945 Arbeiten Ziegelei
29.07.1945 Arbeiten Ziegelei. 9 Uhr abends nach Hause. Dann gleich Entlausung. 11 Uhr nachts Essen, Hunger.
30.07.1945 Heute guter Tag. Ziegelei, 1 Ei und Suppe bekommen.
31.07.1945 Arbeiten Ziegelei. Jetzt wieder Frischbrot.
01.08.1945 Alles wegnehmen bis auf Zeltplane.
02.-04.08.45 Ziegelei arbeiten, l Kamerad gestorben.
05.08.1945 Für uns nicht Sonntag, arbeiten. Bretter laden auf Lkw am Bahnhof.
06.08.1945 Arbeiten Ziegelei. Lehmgrube. Zu Fuß abends heim.
07.08.1945 Arbeiten, neues Lager, Regen, naß nach Hause, frieren im Zelt.
08.08.1945 Arbeiten Ziegelei
09.08.1945 Arbeiten Ziegelei, Mittags 3 neue Kartoffel geschenkt bekommen, Das ist ein guter Tag für mich.
10.-11.08.45 Ziegelei, Lehmgrube arbeiten.
12.08.1945 Endlich wieder Sonntagsruhe. Baden und Wasche waschen. Abends politischer Unterricht. Die 1. Prozentzusatzsuppe(?).
13.08.1945 Ziegelei arbeiten. Neuer Lagerkommandant. Mardei (Malaria), arbeiten.
14.08.1945 Ziegelei arbeiten, ganzen Tag Regen.
15.08.1945 Ziegelei arbeiten; ganzen Tag Regen. 5 Uhr Mittagessen, viel Hunger.
16.08.1945 Ziegelei arbeiten, 4 Uhr Mittag, viel Hunger.
17.08.1945 Ziegelei, 10 Uhr nachts nach Hause.
18.-19.08.45 Ziegelei.
20.08.1945 Vormittag Baden. Dann umziehen ins neue Lager. Abend 9 Uhr Mittagessen. Abendessen nichts.
21.08.1945 Arbeiten Ziegelei, abends 8 Uhr zurück, erst Mittagessen.
22.08.1945 Arbeiten neues Lager, erstmals Kochen im neuen Lager.
23.08.1945 Ziegelei arbeiten, müde und Hunger. Mardei (Malaria) krank.
24.08.1945 Ziegelei. Dünne Suppe. Hunger. Der 2. Kamerad gestorben. Sehr müde nach Hause gekommen.
25.08.1945 Arbeiten Ziegelei. Der 3. Mann gestorben.
26.08.1945 Arbeiten im Lager
27.08.1945 Ziegelei
28.08.1945 Ziegelei. Sehr schlecht beieinander. Viel Kopfweh.
29.08.1945 Ziegelei. Krank nach Hause. Kopfweh. Fieber.
30.08.1945 Ziegelei. Wieder krank. Fieber.
31.08.1945 Nicht arbeiten. Zur Ärztin. Krank geschrieben.
01.09.1945 Arbeiten Lager. Kopfweh etwas besser.
02.09.1945 Im Lager. Vormittag Entlausung, Nachmittag Ruhe. Abends wieder schlecht beisammen, furchtbar Kopfweh.
03.09.1945 Arbeiten im Lager. Kopfweh etwas besser.
04.09.1945 Ziegelei arbeiten. Krank nach Hause.
05.09.1945 Ziegelei. Nachmittag sehr schwer krank.
06.09.1945 Schwerkrank im Revier
07.09.1945 Schwere Nächte mit Fieber
08.09.1945 Vom Fuß zum Kopf verschwollen.
09.09.1945 Fieber nachgelassen.
10.09.1945 Revier
11.09.1945 Schweren Abszess bekommen
12.09.1945 Schwer krank
13.09.1945 Stinkenden Eiterausfluss
14.09.1945 Sehr müde
15.-22.09.45 Sehr müde, Bettlägerig.
23.09.1945 Schöner Herbsttag, Bettlägerig.
24.09.1945 Krankheit in Gefangenschaft furchtbar.
25.09.1945 Deutscher Arzt. Abszess operiert.
26.09.1945 Gedanken stets daheim, hauptsächlich bei lieber Agnes und Hias
27.09.1945 Wasser besser.
28.09.1945 Abszess immer starker, Ausfluss.
29.09.1945 Immer Revier
30.09.1945 Entlausung und Baden, Schlechtes Wetter. Krank mit Auto fahren. Heute starker Abszessusfluss, Nicht gut beisammen.
01.10.1945 Revier eingerichtet in Baracke.
02.10.1945 Täglich durch russischen und deutschen Arzt besichtigt. 100 Mann sind neu angekommen.
03.10.1945 Täglich durch russischen und deutschen Arzt besichtigt
04.10.1945 Täglich durch russischen und deutschen Arzt besichtigt
05.10.1945 Etliche Mann weggekommen.
06.10.1945 Alltägliches im Revier.
07.10.1945 Sehr kaltes Wetter. Aufgeschrieben zur Abreise???, Hoffnung keine. 
08.-09.10.45 Immer warten auf Transport, gut beieinander.
10.10.1945 Mittag zum Verladen am Bahnhof
11.10.1945 Ganze Nacht und Tag stehen am Bahnhof. 6 Uhr abends Abfahrt
12.10.1945 Frohe Gesichter. Fahrt nach Deutschland. Kaltes Wetter.
13.10.1945 Wenig Essen. Kaltes Wetter, Abends geht's nach Westen.
14.10.1945 Tag und Nacht gestanden. Ein langes Warten. Fast jeden Tag Regen und kalt.
15.10.1945 In Brest Litowsk angekommen. 3 Tage stehen.
16.10.1945 Ungeduldiges Warten
17.10.1945 Ungeduldiges Warten, Heute der 6. Mann aus unserem Wagen gestorben.
18.10.1945 Der Siebte gestorben. Umladen.
19.10.1945 Stehen die ganze Nacht. Schrecklich !
20.10.1945 Treespol. Stehen ! Ich krank Fieber.
21.10.1945 Furchtbar! Keine Hilfe
22.10.1945 Etwas besser.
23.10.1945 Morgens Schüttelfrost.
24.10.1945 Stehen in Posen. Polen ausgeladen.
25.10.1945 Banges Stehen vor dem Ziel. 70 km

 

 

Letztes Wort unleserlich. Bis hierher gehen die Notizen des armen kranken Alois Nitzinger., die letzte Bemerkung stammt aus anderer Hand und lautet:

Tod! Frankfurt an der Oder. Ausgeladen aus dem Waggon und dem Sanitäter übergeben und in Frankfurt/Oder beerdigt.

 

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