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" KRIEGSOPFERN EIN GESICHT GEBEN "
DELBRÜCK-BENTFELD. Bentfelder Ortsheimatpfleger erforscht die Geschichte der 65 Weltkriegsopfer
Delbrück-Bentfeld. Den Anstoß gab ein Bild des Großonkels. Großformatig, in Sepia getönt, zeigt es einen Soldaten in Uniform. Die Bildinschrift gibt nähere Details preis: Unteroffizier Stephan Scherf starb am 12. September 1916 im Ersten Weltkrieg – oder wie es damals blumiger ausgedrückt wurde: "Er fiel auf dem Feld der Ehre im blutigen Ringen an der Somme."

Dieses Bild vom Dachboden hat etwas ausgelöst bei Andreas Scherf. Der 47-Jährige, im Hauptberuf Diplomingenieur bei der AEG in Warstein, begann über das Schicksal seines Großonkels, der vom Scherfs Hof (Gurkeln) an der Heddinghauser Straße stammte, zu forschen. Mit Geschichte kennt sich Andreas Scherf aus. Er ist Ortsheimatpfleger in Bentfeld und nimmt auch regelmäßig an den Treffen des Delbrücker Geschichtsforums teil. Mitte des vergangenen Jahres begann er seine Recherche im Internet. Doch weder beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge noch bei der Wehrmachtsauskunftsstelle in Berlin wurde er fündig. Zu viele Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkriegs sind im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs für immer vernichtet worden. Über das Staatsarchiv in Detmold gelangte er an die Geburts- und Sterbeurkunde seines Verwandten.
Dann stieß er im Internet auf die Seite www.weltkriegsopfer.de, die Ludger Bäumer und sein Team betreut. Über eine Suchanzeige wurde Andreas Scherf fündig. Sein Großonkel hatte beim Füsilierregiment Hohenzollern in Rastatt gedient. Seine Grabstelle ist allerdings unbekannt.
Nach dieser Initialzündung begann Scherf, sich intensiv mit den Bentfelder Kriegstoten zu befassen. 16 Bentfelder starben im Ersten, 49 im Zweiten Weltkrieg. Das Ehrenmal in Bentfeld nennt nicht alle Namen. Gemeinsam mit Ludwig Bäumer wurden Lücken geschlossen oder Unklarheiten beseitigt.
Dann fing Andreas Scherf an, den Toten ein Gesicht zu geben. Von Haus zu Haus klopfte er an, putzte Klinken und fragte nach alten Fotos oder Hinweisen zu abgebildeten Personen. Auch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs werden die Zeitzeugen allmählich rar. Ortschronist Werner Trienens stand ihm mit Rat und Tat zur Seite. Manchmal eröffneten die Gespräche bedrückende, längst vergessen geglaubte Erinnerungen. Die 94-jährige Maria Bewermeier ("Bunten Mia") aus Anreppen schilderte, wie Hermann Becker 1945 von einem russischen Zwangsarbeiter erschossen wurde. Ein Kreuz auf der Hofstelle erinnert noch heute an diese Tat. Auch Sohn Hermann Becker kam in Russland um.
Briefe von der Front, die in einigen Familien noch aufbewahrt werden, gaben Scherf Einblicke in das Leben der damals blutjungen Bentfelder, die teilweise noch minderjährig waren.
"Ich bin weder Pazifist noch Heldenverehrer", sagt Andreas Scherf, der selbst Soldat bei der Bundeswehr war. Doch seine Suche hat ihn nachdenklicher gemacht.
1994 hatte er bereits einmal unmittelbare Begegnung mit Soldatenschicksalen. Damals arbeitete er in Rostow (Don) an Wohnungen für die aus Deutschland abziehenden russischen Soldaten der damaligen Westgruppe. Dort besuchte er auch das frühere Stalingrad. Sein Sammeleifer hat sich gelohnt: Zu 42 der 69 Toten gibt inzwischen Fotos oder in einigen Fällen Totenzettel. Scherfs Ziel, die Liste für Bentfeld zu vervollständigen, rückt näher.
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