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Es war der 24. Dezember 19944. Normaler Weise ein besonderer Tag des Friedens. Aber in dieser Zeit gerade auch ein Tag von Gewalt, Leid und Tod. Der Heilige Abend im 6. Kriegsjahr wird im Reichsgebiet vom Heulen der Luftschutzsirenen, Bombenhagel und an den Fronten von Kriegslärm begleitet. Die Menschen strömen in die überfüllten nicht zerstörten Kirchen.
Es ist auch ein wichtiges Datum in der Geschichte der 8. USAAF (8. US-amerikanische Luftflotte). An diesem Tag flog sie den größten aller bisherigen Masse-Angriffe. Über 2.000 Bomber, begleitet von 800 Jägern, starteten von ihren englischen Flugplätzen aus gegen Ziele im deutschen Reichsgebiet.
Eine der deutschen Luftwaffeneinheiten, die sich zur Verteidigung der weit überlegenen Armada der B-17 und B-24 Bomber mit den Begleitjägern entgegen stellte, war das Jagdgeschwader 300. Staffelkapitän der 5./300 war Oberleutnant Klaus Bretschneider. Nach Kämpfen im hessischen Luftraum stürzte er bei Hausen in der Nähe von Oberaula ab. Unteroffizier Kurt Stockdreher von der 16./300 kam bei Obermöllrich/Fritzlar ums Leben. Leutnant Karl Mebus von der 7./300 fiel an diesem Tag bei Berfa in der Nähe von Alsfeld. Ebenfalls fand Leutnant Georg Schmitt von der 6./300 bei Asterode/Neukirchen den Tod. Außerdem fielen an diesem Tag der Feldwebel Franz Günther von der 16./300 bei Göttingen in Südniedersachsen und Leutnant Werner Kampf von der 10./300 bei Oberbösa in Nordthüringen. Hinzu kamen weitere vermisste Piloten mit ihren Maschinen, über deren Verbleib nichts bekannt ist.
Die II. - IV. Gruppe des JG 300 verloren an diesem Tag im hessischen Luftraum bei Eschwege, Kirchheim, Lohre/Wabern, Hersfeld, Ziegenhain, Schorbach/Ottrau, Uttershausen/Wabern und Neuenstein/Raboldshausen weitere Maschinen. Außerdem die I. Gruppe eine im nordthüringischen Clingen bei Sömmerda. Die Piloten konnten sich mit dem Fallschirm retten. Die Staffeln waren von ihren Einsatz-Fliegerhorsten Löbnitz-Bitterfeld, Borkheide, Jüterbog, Reinsdorf und Dresden gestartet. Über die Verluste der 8. USAAF an diesem Tage liegen insgesamt keine verlässlichen Angaben vor.
“Luftkampf über Görzhain“
Unteroffizier Hufnagel flog eine Fw 190 mit der Werksnummer 739441. Hans Hufnagel wurde am 22. Juli 1923 in Konstanz am Bodensee geboren. 1938, als er 15 Jahre alt war, begann er eine Lehre bei den Dornier-Flugzeugwerken in Friedrichshafen. 1941 verließ er Dornier und ging zur Luftwaffe. Er erhielt am 31. Dezember 1943 die Verleihungsurkunde für das Flugzeugführerabzeichen. Es ist anzunehmen, dass Hans Hufnagel nach Abschluss seiner Ausbildung zur II. Gruppe / 7. Staffel des JG 300 kam. Mit dieser Staffel flog er am 24. Dezember 1944 mittags von Dresden aus gegen die angreifenden US-amerikanischen Verbände. Im Raum westlich von Eisenach kam es zu Kampfhandlungen gegen überlegene US-amerikanische Jäger. Nach diesem Luftkampf beanspruchten die 364. Fighter Squadron der 8. USAAF vier Abschüsse Me 109 und drei Fw 190.
Zu einem der weiteren Luftkämpfe kam es an diesem Tag im Raum Gießen. Die 362nd Fighter Squadron der 357th Fighter Group verfolgte in östlicher Richtung eine große deutsche Formation Fw 190 in etwa 7300 Meter Höhe. Um ca 14:20 Uhr kam es zwischen Lieutnant William T. Gilbert und Unteroffizier Hans Hufnagel zum Luftkampf im Raum Görzhain. Obwohl der US-Fighter schon brannte, schoss Lt. Gilbert weiter auf seinen Gegner. Hans Hufnagel stieg aus seiner inzwischen ebenfalls brennenden Focke-Wulff 190 aus, aufgrund der zu geringen Höhe von etwa 150 Meter, öffnete sich sein Fallschirm jedoch nicht mehr rechtzeitig. Er schlug etwa 500 Meter neben seinem Flugzeug im Wald, südöstlich von Görzhain (zwischen Farm und Buchenborn) auf und war sofort tot.
Über dem „Räuberwald“ im Staatsforst Oberaula musste Lieutnant Gilbert aus seiner brennenden Mustang P-51 aussteigen. Während das Flugzeug in der Nähe von Machtlos aufschlug, blieb er selbst mit seinem Fallschirm in einem Baum hängen. Möglicher Weise war er verwundet und konnte sich selbst nicht mehr befreien. Er wurde etwa 14 Tage später tot von Waldarbeitern gefunden. Es war damals in Deutschland üblich, dass die eigenen und die feindlichen Gefallenen - so weit wie möglich - auf dem nächstgelegenen Friedhof beerdigt wurden. So auch in diesem Falle. Lieutnant Gilbert und Unteroffizier Hufnagel wurden beide auf dem Friedhof von Görzhain beerdigt. William T. Gilbert wurde dann nach dem Krieg auf den American Military Cemetery Margraten (Niederlande) überführt. Er ruht nun dort im Feld F Reihe 21 Grab 2. Hans Hufnagel blieb auf dem Friedhof von Görzhain.
Die weiteren genannten Gefallenen des JG 300 vom Heiligabend 1944 ruhen:
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Oberleutnant Klaus Bretschneider – Kriegsgräberstätte Berlin-Zehlendorf - Nikolassee
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Leutnant Georg Schmitt – Gemarkung Asterode, konnte bisher nicht geborgen werden!
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Unteroffizier Kurt Stockdreher – Kriegsgräberstätte Bad Emstal-Merxhausen
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Feldwebel Franz Günther – „Alter Friedhof“ Göttingen
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Leutnant Werner Kampf – Friedhof Bendeleben-Oberbösa
Beitrag:
Jürgen Winkelbach aus verschiedenen Quellen u.a. aus einem Bericht und Aufzeichnungen von G. Allendorf, Görzhain
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