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2. WELTKRIEG
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Singend fuhren sie in den Tod
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Sie hatten den Krieg überstanden und auch die Gefangenschaft. Umso größer war die Erleichterung bei mehreren hundert deutschen Soldaten, als sie am 16. Juli 1945 in Rosenheim in den Zug nach München stiegen. Doch dort kamen viele nie an. Statt in die Freiheit fuhren über hundert Männer in den Tod.
Es ist erst wenige Monate her, dass Deutschland der 100 Opfer des - so hieß es - «größten Zugunglückes nach dem Zweiten Weltkrieg» in Eschede gedachte. Doch dies entspricht nicht den Tatsachen. Die größte Katastrophe auf Schienen seit Kriegsende ereignete sich am 16. Juli 1945 - also heute vor 63 Jahren - knapp hinter der Rosenheimer Landkreisgrenze zwischen Aßling und Oberelkofen im Kreis Ebersberg.
Dort starben je nach Quellenlage zwischen 102 und 106 Menschen bei einem tragischen Auffahrunfall. Laut Sonderdruck des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Landesverband München, waren es 104 Opfer - 103 Deutsche und ein US-Soldat. Während im Kreis Ebersberg jedes Jahr am Volkstrauertag an die Opfer des Zugunglücks erinnert wird, ist die Tragödie im Raum Rosenheim weitgehend in Vergessenheit geraten.
Es war am Abend des 16. Juli 1945 gegen 21 Uhr, als die Tragödie um die Soldaten aus dem Rheinland und Westfalen ihren Lauf nahm. Ein langer Transportzug passierte von Rosenheim her kommend den Aßlinger Bahnhof. Die Passagiere kamen aus dem US-Gefangenenlager Bad Aibling. Obwohl sie dichtgedrängt in den Waggons saßen, herrschte eine ausgelassene Stimmung. Die Insassen winkten dem Bahnhofspersonal fröhlich zu, stimmten Lieder an. «Sie waren froh, den Gefahren des Kriegs und den Entbehrungen des Lagers entkommen zu sein», berichtete unsere Zeitung vor Jahrzehnten.
Minuten später hielt der Zug auf freier Strecke zwischen Aßling und Oberelkofen. Die altersschwache Lokomotive hatte versagt. Die Reparatur sollte 15 Minuten dauern. Das Zugpersonal beeilte sich nach Kräften, um von der nächsten Fernsprechzelle eine Warnung an die Stationen durchzugeben und rote Lichtsignale aufzustellen. Aber es war schon zu spät. Ein Güterzug, der Militärmaterial für die amerikanische Besatzungsmacht geladen hatte, schoss mit hohem Tempo in den stehenden Zug.
Den Augenblick, als der mit schweren Panzern beladene amerikanische Transportzug in voller Fahrt auf das Ende des Heimkehrerzuges prallte, beschrieb unsere Zeitung so: «Mit einem ohrenbetäubenden Getöse riss der melodische Gesang der Heimkehrer ab, und dann hörte man nur gellende Schmerzensschreie und Hilferufe aus einem Wirrwarr von ineinander geschobenen Wägen, Eisenteilen und Holzsplittern.»
Acht Waggons waren vollkommen zerstört und zusammengedrückt, Panzer und tonnenschwere Eisenteile lagen auf den Gleisen und auf der Wiese verstreut. Die herbeigeeilten Einwohner von Aßling, Loifersdorf und Ober-elkofen bargen zusammen mit Rettungskräften und unverletzten Soldaten noch in der Nacht 95 Tote und über 100 Schwerverletzte aus den Trümmern. Neun der Verletzten starben noch während der Bergungsarbeiten - sie waren die Opfer 96 bis 104.
Die 104 Männer, die auf der Schwelle zur Freiheit so tragisch ums Leben kamen, fanden ihre letzte Ruhestätte beim Ehrenmal in der Kriegsgräberstätte Oberelkofen - knapp drei Kilometer vom Unglücksort entfernt. Das Grundstück für die über 50 Gräber - zwei Opfer teilen sich jeweils ein Grab - stellten die Grafen von Rechberg spontan zur Verfügung.
Quellenangabe:
Oberbayerisches Volksblatt OVB Nr.164/16.Juli2008 / Von Ludwig Simeth
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