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" VOLKSTRAUERTAG - ERINNERUNGEN WACHRUFEN"
Weltkriegsopfer – dazu zählen nicht nur die Soldaten. Auch viele tausende Zivilisten, Frauen, Jugendliche, Kinder und Babys überlebten die Grauen der Kriege auf der ganzen Welt nicht.
Es gibt immer noch Menschen in Deutschland, die nach ihren Toten suchen. Auch mehr als sechs Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg. Ludger Bäumer hilft ihnen seit fünf Jahren dabei. Angefangen hatte sein Engagement für die Seite weltkriegsopfer.de mit seiner eigenen, frustrierenden Ahnenforschung. Meistens sind es die Enkel und Urenkel, die sich dafür interessieren, wo der Großvater, der Uropa gefallen ist. Wo er begraben liegt. Auf Bäumers Internetseite können sie nach ihm suchen oder ihm mit eigenen Einträgen ein Andenken schaffen.

Viele Weltkriegsopfer sind jedoch in Vergessenheit geraten. Am morgigen Volkstrauertag werden sich sicher viele Menschen an Angehörige erinnern, ohne wirklich zu wissen, wo diese ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Auch die Familie von Heike Jakobi muss mit dieser Ungewissheit leben. Der Bruder ihrer Mutter hat den 2. Weltkrieg nicht überlebt. „Nach einem Gutachten des Deutschen Roten Kreuzes von 1981 galt er als vermisst”, sagt die 47-Jährige. Doch für ihre Familie war diese Information zu wenig. Sie wollte mehr über das Schicksal des Onkels wissen. „Deshalb habe ich die Suche neu aufgerollt”, erzählt Jakobi. Sie machte sich im September 2006 auf die virtuelle Suche ihres Onkels Heinz Rompe und stieß bei der Internet-Recherche auf die Seite www.weltkriegsopfer.de .
Und tatsächlich. Mit Hilfe der Mitarbeiter dieser Informationsseite über Kriegsgräberstätten und Kriegsopfer und des Portals www.vermisst-gefallen.net hat Jakobi den Onkel ausfindig gemacht. Aber bis heute hat die Familie lediglich die Gewissheit, dass er tatsächlich im Krieg gefallen ist. Im August '44. Auch in welcher Gegend er ums Leben gekommen ist, ist bekannt. Westfrankreich, bei Brest. „Aber ein Grab haben wir bisher noch nicht gefunden”, sagt die Gruppenleiterin einer Krefelder Behinderten-Werkstatt.
„Die Recherchemöglichkeiten auf dieser Seite sind sehr vielseitig”, lobt Jakobi, die nun selbst mithilft, die Datenbank auszubauen. „Viele Angehörige leiden darunter, dass die Toten der Kriege schlichtweg vergessen werden. Und wir wollen zeigen, dass sie nicht nur ein Name in einer Datenbank sind. Wir wollen sie mit Fotos erfassen, falls uns die Angehörigen eines zur Verfügung stellen. Sie können auch über Erinnerungen auf einer selbst gestalteten Gedenkseite berichten.” Natürlich kostenlos. Heike Jakobi bittet Duisburger, sich bei ihr per E-Mail (ja@weltkriegsopfer.de) zu melden. „Wir versuchen, die Daten zu vervollständigen.”
Etwa 30 Ehrenamtliche arbeiten bei dieser Informationsseite mit, die der Oer-Erkenschwicker Ludger Bäumer 2003 ins Leben gerufen hat. Die meisten sind ganztägig berufstätig und dennoch wird die Seite fast jeden Tag aktualisiert. „Aber es kann halt einige Wochen dauern, bis wir neues Material eigestellt haben”, bittet Jakobi um Geduld. Neues Material sind Namen und Friedhöfe, und zwar nicht nur deutsche oder französische. Auch ägyptische, chilenische ghanaische, slowenische oder zypriotische Soldatenfriedhöfe werden archiviert. Genauso Wehrdienstdokumente junger Männer sowie Feldpost, Briefe und Telegramme, Denkmäler, U-Boote und Kriegsschiffe.
Vor allem Duisburg hat wie das gesamte Ruhrgebiet eine schreckliche Kriegsgeschichte. „Duisburg wurde im zweiten Weltkrieg stark bombardiert. Viele Menschen sind durch Kriegseinwirkung zu Tode gekommen”, erzählt Jakobi. Allein auf 19 Friedhöfen im Stadtgebiet liegen über 9000 Kriegsopfer. Und alle sind namentlich bekannt.
Für die Hilfe, die sie auf der Internsetseite von Ludger Bäumer erhalten hat, ist Heike Jakobi dankbar. „Deshalb möchte ich auch selbst helfen”, sagt Jakobi und unterstützt nun ehrenamtlich die Datenerfassung. Sie fotografiert Grabstellen und Namenslisten der Friedhöfe. Nicht nur in Duisburg sondern auch in Frankreich. Bis jetzt hat sie bereits 17 000 Fotos gemacht. Im vergangenen Frankreichurlaub war sie zweieinhalb Wochen mit ihrem 24 Jahre alten Wohnmobil unterwegs (3800 km) und besuchte dort 108 Friedhöfe.
Über 20 Mitarbeiter aus mehreren Ländern arbeiten Bäumer zu, alle ehrenamtlich. Sie fotografieren Friedhöfe und Gedenksteine, sie sammeln inoffizielle Sterbelisten, die in einzelnen Kompanien aufgeschrieben wurden. Eine wertvolle Bereicherung sind sogenannte Sterbebilder, die früher angefertigt wurden, um den lieben Toten in der Tasche oder im Portemonnaie immer dabei zu haben: „Da finden sich genaue Informationen darüber, wie ein Soldat hieß, wo er herkam, was er machte. Und man hat sogar ein Bild.” Diese Sterbebilder und Gebetsandenken kaufen die Ehrenamtlichen von weltkriegsopfer.de massenweise an und bearbeiten sie. Wenn sie fertig eingepflegt sind, kommt man von einem Soldatenbild zu seinem Namen, vom Namen zum Friedhof, auf dem er liegt, vom Friedhof wieder zum Bild oder zu Tagebucheinträgen des Soldaten aus dem Krieg. Es ist die Vernetzung der verschiedenen Daten, die das Angebot für Suchende so interessant macht.
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