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PRESSEBERICHT - 22.11.2006

Westline - Stimberg Zeitung / Jörg Müller

" WELTKRIEGSTOTEN EIN GESICHT GEBEN "
"Irgendwann kannst Du einfach nicht mehr aufhören." Ludger Bäumer "lebt" quasi vor seinem Computer. Dabei gehört der 50-Jährige nicht etwa zu den virtuellen "Zockern", vielmehr gibt er Toten ein Gesicht.

 Was sich zunächst recht gruselig anhört, ist eine zutiefst befriedigende, humane Aufgabe, der sich Ludger Bäumer verschrieben hat. Er ist seit gut drei Jahren Betreiber des Internet-Angebots www.weltkriegsopfer.de. Zwölf bis 14 Stunden verbringt er täglich vor dem Computer, um Datenbanken zu aktualisieren und den praktischen Nutzwert der Internet-Adresse für die virtuellen Besucher zu verbessern.

"Weltkriegsopfer.de bietet eine komplette Auflistung aller Friedhöfe in 106 Ländern der Welt, auf denen deutsche Opfer beider Weltkriege aus der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts begraben sind. Und mittlerweile sind wir dabei, auch niederländische, dänische und englische Kriegstote zu erfassen", erzählt Bäumer während eines Ortstermins in seinem Arbeitszimmer an der Ewaldstraße 44.

Dort sind mittlerweile sage und schreibe 148.000 Weltkriegsopfer erfasst und in Datenbanken abgespeichert worden. "Aber nicht einfach nur namentlich. Wir bieten zu jedem eine Menge an persönlichen Zusatzinformationen, die für diejenigen, die beispielsweise nach verschollenen Verwandten suchen, wichtig sind", sagt Ludger Bäumer.

Hatte er vor drei Jahren zunächst allein mit der Erfassung der Weltkriegsopfer auf dem Waldfriedhof begonnen, stehen ihm nunmehr 20 Mitarbeiter in allen Teilen Deutschlands, aber auch in Österreich, Tschechien, den Niederlanden, Dänemark und Polen zur Verfügung. "Das alles sind Menschen, die sich derselben Sache verschrieben haben. Sie sind im Internet auf mich aufmerksam geworden und arbeiten nun mit mir zusammen", berichtet Ludger Bäumer.

Und Arbeit gibt es eine ganze Menge. Dabei sind es bei weitem nicht nur die Kriegsgräber, die von Ludger Bäumer auf seinen Internet-Seiten erfasst werden. "Das Problem ist nämlich, dass sehr viele Kriegstote privat bestattet wurden. Nehmen wir zum Beispiel den Vater, der seinen verstorbenen Sohn aus einem Lazarett abgeholt und in der Familiengruft begraben hat. Oder denken wir an zivile Opfer von Luftangriffen, die ebenfalls später von ihren Angehörigen bestattet wurden. Wir sind mit großem Erfolg dabei, auch diese Daten zusammenzutragen", berichtet Bäumer weiter.

Mittlerweile werden aber nicht nur Friedhöfe, sondern auch Denkmäler erfasst. "Während Kriegsgräber per Gesetz ein ewiges Ruherecht haben und von den Städten nicht beseitigt werden dürfen, können andere Gräber nach einer bestimmten Zeit neu belegt werden. Das erschwert natürlich die Suche. Denkmäler mit Totenlisten helfen wiederum bei der Recherche nach im Krieg Verstorbenen", erläutert Bäumer weiter.

Apropos Suche. Weltkriegsopfer.de bietet eine Menge verschiedenartiger Suchfunktionen. So kann man den Namen des Verschollenen direkt eingeben und die Nachforschung durch weitere Angaben präzisieren. Beinahe einzigartig ist, dass man auch die einzelnen Friedhöfe aufrufen und, soweit bekannt, die Gräberlisten einsehen kann. Ludger Bäumer: "Das ist manchmal deshalb hilfreich, weil in Gefallenen-Listen Detaildaten falsch, oder bei der Beerdigung der Name falsch geschrieben worden sein kann." Bäumer betont in diesem Zusammenhang, dass er sich nicht als Konkurrenz zum Internet-Angebot des Verbandes deutsche Kriegsgräberfürsorge versteht. "Wir sind vielmehr eine Ergänzung", sagt der Oer-Erkenschwicker.

Und die Arbeit, die vom heimischen Unternehmen "PS-IT" ("An der Aue") großzügig gesponsert wird, nimmt kein Ende. Bäumer: "Jetzt liegen uns fünf Listen von russischen Kriegsgefangenen-Friedhöfen vor. Diese Namen wurden bislang noch überhaupt nicht veröffentlicht. Mehr als eine halbe Mio. Mal wurde "Weltkriegsopfer.de" bislang aufgerufen. Und täglich wächst die Zahl der Nutzer an...

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